Über Julia Zwinz

Tiere sind mein Wohlfühlort

Schon als Kind zog es mich zu jedem Tier hin. Ganz egal ob Hund, Pferd, Maus – ich war von jedem Tier fasziniert. Unter Tieren fühlte ich mich immer ein bisschen wohler als unter Menschen. Sie hatten keine Erwartungen, verurteilten mich nicht und ich konnte bei ihnen einfach ich sein.

Ich hatte eine schöne, sorgenfreie Kindheit und trotzdem wuchs das Gefühl in mir, dass mit mir etwas falsch ist. Dass ich nicht in diese Welt passe. Trotzdem lebte ich ein Vorzeigeleben. Matura, Auslandsjahr, Studium, langjährige Beziehung, Freunde. Von außen sah alles perfekt aus, aber in mir brodelte die Unzufriedenheit.

Egal, ich machte weiter. Versuchte mir einzureden, dass doch alles in Ordnung sei. Ich hätte doch keinen Grund unglücklich zu sein. Also zwang ich mich, glücklich zu sein.

Ich funktionierte bis die Umstände dazu führten, dass mein System komplett zusammenbrach. Meine Diagnose mit 30 Jahren: schwere Depression. Es war Mai 2020. Pandemie, Trennung, Umzug, Kurzarbeit. Mir zog es den Boden unter den Fußen weg und die nächsten Monate waren von abgedunkelten Räumen, Heulkrämpfen, Angstzuständen und Überlebenskämpfen geprägt.

Auch wenn es die schlimmste Zeit meines Lebens war und ich niemandem wüsche, so etwas erfahren zu müssen, bin ich heute dankbar für meine Depression. Sie zeigte mir, dass etwas komplett falsch lief in meinem Leben und ich schleunigst was ändern musste. Das tat ich dann auch.

Mein Gehirn tickt anders

Meine wichtigste Erkenntnis in dieser Zeit war: mit mir ist nichts falsch, ich nehme nur viel mehr wahr. Ich bin auf den Begriff Hochsensiblität gestoßen, der für mich so viel erklärte. Vor allem mich. Und auch, dass ich nicht alleine damit bin und auch andere die gleichen Herausforderungen haben. Als ich dann mit den Themen Neurodivergenz, ADHS, Autismus etc. in Kontakt kam, erkannte ich mich auch darin teilweise wieder. Die Forschung darüber steckt noch in Kinderschuhen. Aktuell fühlt sich für mich die Unterscheidung in neurodivergentes und neurotypisches Gehirn am stimmigsten an.

Die letzten 6 Jahre hat sich so viel in meinem Leben verändert, ich habe mich total neu kennengelernt und wirksame Tools für mich gefunden, um mehr und mehr in mein Leben hineinzufinden. Auch wenn ich schon viel erreicht habe, lerne ich jeden Tag Neues dazu. Ich glaub, das wird sich auch nie ändern. Sonst wäre es ja auch langweilig.

Wie ich auf den Hund gekommen bin

2022 kam dann mein Hund Theon in mein Leben. Ich war gerade mitten in meinen beiden Ausbildungen, die parallel liefen – zur Hundedolmetscherin und psychosozialen Beraterin. Der wahre Lehrer war aber tatsächlich Theon. Durch ihn lernte ich Hunde (und auch mich) so richtig zu verstehen. Wie sich herausstellte, ist er ein sehr spezieller Hund. Ich adoptierte ihn von everydaystray. Eine Tierschutzorganisation in Bulgarien, die Straßenhunde rettet und vermittelt. Er wurde als Welpe gemeinsam mit seinen Geschwistern und seiner Mutter von der Straße gerettet und aufgepeppelt. Mit 5 Monaten zog er dann bei mir in Wien ein. Theon ist ein Kangal-Mix, hat sowohl den Charakter eines Herdenschutzhundes und eines Jagdhundes. Er ist sehr sensibel, eigenständig, stur und territorial. Eine sehr herausfordernde Mischung. Vor allem als Ersthund.

Aber wie meine Mentorin damals so schön zu mir sagte: Entweder bekommst du einen leicht erziehbaren Hund oder einen der dein Potenzial sichtbar macht. Es kann also nichts passieren. Well, Checkpot! Natürlich bekam ich mit Theon einen Hund, der mir alles ungeschminkt spiegelte. Und das war eine echt harte Zeit.

Er hat nach mir geschnappt, ist Joggern und Radfahrer nachgelaufen, hat kleine Kinder angebellt und andere Hunde gebissen. Und das mit seinen 40kg. Ich war richtig verzweifelt und sogar kurz davor einen neuen Platz für ihn zu suchen, weil ich dachte, ich krieg das nicht hin. Zum Glück hab ich mich entschieden alles zu tun, damit wir ein Leben haben, dass sowohl ihm als auch mir gut tut. Und das haben wir geschafft.

All mein Wissen über Hunde, meine Erfahrungen mit einem „Problemhund“ und die Erkenntnisse, welche die beste Heransgehensweise für neurodivergente Hundemenschen ist, gebe ich seit 2021 weiter. Meine größte Leidenschaft ist es Menschen und Hunde auf ihrem Weg und zu ihrer Lösung zu begleiten. Denn wenn man diesen Prozess durchläuft, ändert sich nicht nur das Verhalten des Hundes, sondern noch vieles andere im Leben. Und für mich gibt es nichts schöneres, als das Leuchten der Menschen zu spüren, wenn sie merken, dass sie es selbst waren, die ihrem Hund ermöglichen, so richtig Hund sein zu können.

Meine wichtigsten Stationen

Ausbildung zur Dipl. Psychosozialen Beraterin

März 2021 – Juni 2023
BFI Wien

Ausbildung zur zert. Hundedolmetscherin

März 2021 – März 2022
Isabella Reitmayr

Fortbildung "Hundesprache verstehen"

Oktober – November 2022
a realnature – Melanie Müller

Ausbildung zur Expertin für Hochsensitivität

Jänner 2022 – Oktober 2023
hochsensitiv.netzwerk

Freiwillige Sozialbegleitung für Menschen mit psychischen Erkrankungen

Dezember 2022 – Jänner 2024
pro mente Wien

Basislehrgang zum Systemischen Coach

März 2024 – September 2024
E.S.B.A.

Jobcoach für Erwachsene mit ADHS/Autismus

März 2024 – Oktober 2024
Amazing 15

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